Erfahrungsbericht Lebendspende
Christina und Arno Brauer berichteten über die Lebendspende von Arno an Christina.
Zunächst berichtete Cristina ihre Krankheitsgeschichte aus ihrer Sicht. Anschliessend erläuterte Arno seine Erfahrungen der Nierenspende.

Christina berichtete von einer weitgehend normalen Kindheit. Bis
auf Blutdruckprobleme waren keine Kranknheitshinweise sichtbar.
An ihrem 31. Geburtstag erlitt Christina Schwindelanfälle. Ihr
wurde schwarz vor Augen. Dies nahm Christina zum Anlass der Sache
auf den Grund zu gehen. Nach UNtersuchungen durch verschiedene Ärzte
u.a. durch den Gynäkologen wurde nach einer Blutkontrolle festgestellt,
dass nur noch eine 22 prozentige Nierentätigkeit bestand. Christina
hatte keine Schmerzen. Ihr wurde angekündigt, dass sie ab weniger als
10 % dialysepflichtig sein wird. 1999 war nur noch eine Restfunktion
von 14 % vorhanden. Sie versuchte die zurückgehende Nierenfunktionalität
auf homöopathischem Wege zu begegnen, was nur in sehr eingeschränktem
Maße gelang. Durch eine Grippe im Jahre 2001 sank die Nierenfunktionalität
auf 10 %. Die Dialyse stand nun vor der Tür. Es stellten sich die
für die präterminale Niereninsuffizienz typischen Begleiterscheinungen
wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, nachlassende Konzentrationfähigkeit ein
Die erste Dialyse fand am 14.2.2001 in Uelzen bei Frau Dr. Weitzell
und Dr. Wedel statt. Die erste Dialyse
führte zu einem Kreislaufkollaps. In der folgenden Dialysezeit sollten sich
die Kreislaufprobleme häufig wiederholen. Da noch kein Shunt angelegt war
musste ein Halskatheder gelegt werden, der jedoch nur 14 Tage
funktionsfähig war. Danach mußte er aufgrund einer Entzündung mit
Fieber bis 39 Grad entfernt werden. Der zweite Halskatheder hielt
3-4 Monate. In der Zwischenzeit wurde versucht einen Shunt anzulegen.
Dies gelang nur zeitweise, wegen zu dünner Venen. Nach mehreren
erfolglosen Shuntanlagen wurde ein Brustkatheder verlegt, der jedoch
auch nur wenige Monate hielt. Insgesamt machte Christine ungefähr
ein Jahr teils vormittags, teils nachmittags Hämodialyse.
Durch die nachlassende KRaft war Christina nicht mehr in der Lage
einer Arbeit nachzugehen. Dies war um so kritischer, weil sie noch
nicht aussreichend viele Jahre gearbeitet hatte, um eine Invaliditätsrente
in Anspruch nehmen zu können.
Belastend kam hinzu, dass 1997 und 2001 ihre Eltern verstarben. Da Christina
keine Geschwister hat, konnte sie nicht auf eine Niere aus der Familie
hoffen. Angesichts der schweren Dialyseprobleme entschloss sich ihr Mann Arno
2002 zu einer Lebensspende. Eine Kombination ihrer Blutgruppe (AB+) und seiner
Blutgruppe (A+) schien ein vertretbares Risiko. Am 1.2.2002 fand die
Transplantation statt.

Arno berichtete anschliessend die Nierenspende aus seiner Sicht. Er berichtete
von den Schwächeanfällen, der Kraftlosigkeit, der zurückgehenden
Belastbarkeit von Christine. Die Grippe, die letzen Endes zur Dialyse führte
brachte Christina auch psychisch ans Ende.
Er selbst berichtete den ersten Gang durch die Dialysestation wie
einen Gang durch eine andere Welt.
Als Christina ihn nach einer Nierenspende
sagte Arno spontan ja, ohne zu wissen, was für beide bevorstand.
Zunächst mußte die Blutgruppe festgestellt werden. Da dies für den Spender
nicht von der Krankenkasse übernommen wurde, entschloss sich
Arno zu einer Blutspende, bei der zwingend eine Blutgruppenbestimmung
durchgeführt wird. Es folgten insgesamt 12 weitere Arzttermine, in der
der Reihe nach Arnos Gesundheitszustand durchgecheckt wurde.
Danach folgte die Prüfung der Ethikkommission, bestehend aus einer Ärztin.
Arno und Christina wurden über ihre Beweggründe für die Spende
befragt. Sie wurden über das Transplantationsgesetz aufgeklärt.
Eindrücklich schilderte Arno die Begegnung mit einer Pastorin, die
die psychische Belastungen nur sehr schwer bewältigen konnte sowie
von einem Nieren- und Leberkranken dessen Erkrankung bereits zu schweren
Schwellungen des Körpers und der Beine geführt hatte.
Vor der Operation zur Entnahme der Niere wurde er von dem behandelndem
Arzt gefragt, ob er eine neue Schnittmethode ausprobieren durfte.
Ferner erklärte sich Arno bereit, Stundenten bei der Narkotisierung
teilnehmen zu lassen.
Die Operation selbst ging reibungslos. Die erste Nacht war hingegen von vielen Alarmen der Intensivüberwachiungsgeräte bestimmt. Für Arno war die Spende schmerzhaft. Dies lag an dem Umstand, dass sich im Körper nach der Organentnahme die Organe neu ordnen mußten. Arno konnte das Krankenhaus bereits nach einer Woche, Christina nach 12 Tagen verlassen. Christina mußte ab dem ersten Tag an viel trinken, was für einen Dialysepatienten bekanntermassen eine herbe Umstellung bedeutet.
Arnos Arbeitgeber übernahm den Lohnersatz als Anerkennung seiner Spendenbereitschaft obwohl er das nicht brauchte, Die Krankenkasse wollte dies schriftlich dann auch vom Arbeitgeber bestätigt bekommen. Sie hätte sonst Lohnersatz für die normale Zeit gezahlt.
Probleme gab es während der Dialysezeit mit der Krankenkasse, da sie für das erste Jahr erst nicht die Taxifahrtkosten übernehmen wollte. Wir sollten die ca. 14.000 DM selbst tragen. Herr Dr.Wedel konnte die Sachbearbeiterin der IKK aber eines besseren belehren, da die chronische Erkrankung zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als ein Jahr bekannt war und somit das "Chronikerjahr" bereits abgelaufen war.
Den körperlichen Problemen wie z.B: die Fetteinlagerung konnte Christina durch konsequent eingesetzte Trennkost begegnen. Ferner stellten sich Probleme durch überwiegenden Haarwuchs ein. Schwerwiegender waren die psychischen Problemen, die sich nach der Transplantation bei Christina einstellten. Sie äußerten sich in explosionsartigen Wutanfällen ein, die in letzter Konsequenz die Trennung Christinas und Arnos bedeutet hätten, wenn nicht eine Kur in Bad Salzuflen deutlich gebessert hätte. Die Kur konnte über den Rentenversicherungsträger abgerechnet werden.
Über die Erkrankung haben Arno und Christina auch den Weg zu den jungen Nierenkranken gefunden.
Paul Dehli
